Am
Samstag empfangen die WALTER Tigers den Tabellen-Letzten BS Energy Braunschweig.
Nach dem Erfolg in Nürnberg haben die Tigers mit dem Abstieg praktisch
nichts mehr zu tun: "Natürlich geht es noch rein rechnerisch!",
weiß auch Aaron McCarthy. "Aber Nürnberg und Braunschweig
werden uns nicht mehr abfangen, selbst wenn wir die letzten vier Spiele
verlieren!". Anlass zum Durchschnaufen gibt es dennoch nicht. "Die
Sponsoren und unsere Fans zahlen für 30 Spiele!", so Harald
Prinz. Das Erreichen eines möglichst guten Tabellenrangs ist nun
primäres Ziel bei den Schwaben. "Platz 10 ist wohl unrealistisch,
aber wir wollen das Optimale rausholen", erklärt McCarthy. Auch
die Einstellung der Spieler steht bei den verbleibenden Spielen auf dem
Prüfstand. Am letzten Spieltag der vergangenen Saison verspielten
die damaligen Tigers-Akteure am letzten Spieltag einen möglichen
12. Tabellenplatz und wurden nach indiskutabler Leistung in Branschweig
am Ende 14. Obwohl die Tigers einen Tag vorher nach Braunschweig anreisten,
um sich optimal vorzubereiten, beklagte sich Harald Prinz damals über
die mangelnde Professionalität unter den Spielern: "Die haben
vor dem Spiel bis halb fünf gefeiert, das kann ich nicht akzeptieren!",
so Prinz. Nicht zuletzt deshalb liegen die Vertragsverhandlungen in dieser
Saison bis zum letzten Spiel gegen Quakenbrück auf Eis: "Ich
will sehen, wie charakterstark die Spieler sind!", erklärt Prinz.
Nach dem
Moten-Trent-Zwischenfall ist Prinz ohnehin angekratzt. "Die zunehmende
Amerikanisierung in der BBL wirft Probleme auf. Die Amerikaner haben offenbar
eine andere Lebensphilosophie!" Dabei verweist Prinz z.B. auf einen
mit Strafzetteln vollgepackten Leitz-Ordner. Allesamt Knöllchen,
die sich während dieser Saison angesammelt haben. "Wir haben
es hier wirklich mit einem Image-Problem zu tun!", beschwert sich
Prinz. "Inzwischen wurde auch bekannt, dass die suspendierten Spieler
die verbotenen Substanzen, die bei der Doping-Probe in Giessen gefunden
wurden, auch in Tübingen konsumiert haben. Für die Planung der
kommenden Saison hat Prinz bereits eine wichtige Entscheidung getroffen:
"Wir werden die Anzahl der Amerikaner im Team verringern", verkündet
er.
Aaron McCarthy
hat nach dem Sieg in Nürnberg gute Karten, auch in den nächsten
Jahren auf der Position des Tiger-Dompteurs eingesetzt zu werden. "Ich
habe immer gesagt, dass er beim Nichtabstieg gute Chancen hat", bestätigt
auch Prinz. Dabei stehen die Zeichen auf einer mehrjährigen Zusammenarbeit.
"McCarthy ist verheiratet und hat drei Kinder. Da plant man längerfristig",
erklärt Prinz.
Sportlich
stehen die Tigers vor großen Problemen. Zwar gastiert am Samstag
der Tabellenletzte in der TüArena, doch das Pech bleibt den Schwaben
zurzeit einfach treu. So fallen Ron Selleaze und Travarus Bennett am Samstag
definitiv aus. Ron Selleaze hat sich im Training den großen Zeh
gebrochen, bei Travarus Bennett meldet sich die alte Knieverletzung wieder
zurück. "Ron wird mindestens ein Spiel fehlen. Wir hoffen, dass
er in Bamberg wieder dabei ist", berichtet McCarthy. "Rechnet
man Trent und Moten mit ein, so fehlen uns am Samstag in der Offensive
40 Punkte", schimpft der Amerikaner. "Für 10 Punkte ist
das Publikum gut, 15-20 Punkte müssen von den Ersatzspielern aufgefangen
werden", rechnet McCarthy. Den Rest muss die Defense besorgen. "Wir
müssen Braunschweig unter 65 Punkte halten, dann haben wir gute Chancen!".
Ein schönes Spiel ist somit nicht zu erwarten, vielmehr eine Defense-Schlacht.
Zum Zündlein an der Waage könnte auch Hurl Beechum werden, dessen
Fitness McCarthy "überraschend gut" einschätzt. Auch
Tim Burnette und Andreas Hornig werden ihre Chance bekommen. "Wir
haben ja nur noch 8 Leute", weiß McCarthy.
Der Tigers-Trainer
warnt davor, Braunschweig zu unterschätzen. Die Niedersachsen, da
ist sich der Amerikaner sicher, verfügen über weitaus mehr Qualität
als dies der momentane Tabellenplatz vermuten ließe. "In den
letzten Wochen hat Braunschweig richtig gut gespielt. Unser Gegner hat
starke Spieler, denen es zurzeit nur an Selbstvertrauen fehlt".
Indes bestätigte
Harald Prinz Kontakte zu Bayern München. "Das ist alles schon
8 Wochen her!", so Prinz, der direkt vom Bayern-Trainer Georg Kämpf
angesprochen wurde und zweimal zu Gesprächen in München war.
Inzwischen weiß Prinz, dass er nicht nach München wechseln
wird. "Dort fehlen sämtliche Strukturen. Ich war von der Naivität
in München sehr überrascht", so Prinz. Vor allem der übermächtige,
fußballspielende Part der Bayern erschwert die Planungen in München.
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